Höre den Schrei der Erde und den Schrei der Armen

Wir folgen dem Aufruf des Papstes zum Schutz unserer Erde

2015 schrieb Papst Franziskus die Enzyklika „Laudato-Si“, die auch weit außerhalb der katholischen Kirche große Beachtung und Lob fand. Anlässlich des 5. Jahrestages der Veröffentlichung rief der Papst alle „Menschen guten Willens“ auf, ihren Beitrag zum Schutz unsere Erde zu leisten. Wir, katholische Christen in der Seelsorgeeinheit Bad Herrenalb, möchten beginnend mit Gottesdiensten am 3. und 4. Oktober, dem Fest des Heiligen Franziskus, uns diesem Anruf mit verschiedenen Aktionen diesem Aufruf des Papstes anschließen und laden alle „Menschen guten Willens“ ein mitzumachen.
In seiner Enzyklika behandelt Papst Franziskus behandelt in drei großen Teilen:
Sehen (Was unserem Haus widerfährt), Urteilen (Das Evangelium von der Schöpfung
) und Handeln, an denen wir uns mit unserer Initiative orientieren.

Sehen: Was unserem Haus widerfährt

Die Corona-Pandemie hat uns die Verletzlichkeit unseres Lebens vor Augen geführt. Und sie hat uns sehr nachhaltig gezeigt, welche Konsequenzen es hat, wenn das Verhältnis des Menschen zu seiner natürlichen Umwelt in Schieflage geraten ist. Zumindest in den Ländern des Norden gegenwärtig noch weniger spürbar, aber dafür mittel- und langfristig umso nachhaltiger sind die Folgen des Klimawandels und der globalen Zerstörung unserer Erde.

Bereits mit Beginn der Industrialisierung im frühen 19. Jahrhundert stiegen die CO2-Emissionen, die sich über die folgenden zwei Jahrhunderte hinweg dramatisch erhöht haben. Der natürliche Treibhauseffekt ist schon lange einem anthropogenen, also durch den Menschen verursachten, gewichen. Dessen schwerwiegende Folgen sind heute allgegenwärtig; Hitzesommer und viel zu milde Winter kennen wir auch hierzulande. Doch das Ausmaß der Erderwärmung ist umfassender und dramatischer. Ein großes Problem stellt das Abschmelzen des Polareises dar, das nicht nur zum Verlust eines einzigartigen Lebensraumes, sondern auch zum Anstieg des Meeresspiegels führt, weshalb bereits vielen Inseln insbesondere im Pazifik das Versinken im Ozean droht. Durch den Temperaturanstieg kommt es außerdem gehäuft zu Dürren, Waldbränden und starken Unwettern, die wertvolle Ökosysteme sowie die Ernte vieler Menschen vernichten.

Neben dem durch Treibhausgase verursachten Klimawandel sind auch die Ausbeutung und die Verschmutzung der Natur durch den Menschen besorgniserregend. Bilder von gerodeten Regenwäldern, die Weideflächen und landwirtschaftlich genutzten Monokulturen weichen, werden immer wieder in den Nachrichten gezeigt. Vermüllte Strände und zubetonierte Landschaften haben wir vielleicht schon selbst gesehen und uns dabei gefragt, wie diese Orte wohl noch vor hundert Jahren ausgesehen haben mögen. Wir Menschen tragen Verantwortung für unsere Welt, unsere Mitmenschen und Mitgeschöpfe. Als Christinnen und Christen sind wir besonders dazu aufgerufen, uns für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen und unser gemeinsames Haus auch für kommende Generationen zu bewahren.

Urteilen: Das Evangelium von der Schöpfung

Die ökologische Krise (Umweltverschmutzung, Klimawandel, Wassermangel, Verlust der biologischen Vielfalt und damit im Zusammenhang eine weltweite soziale Ungerechtigkeit) hat viele Ursachen und es gibt nicht nur einen Lösungsweg. Zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen können und müssen verschiedene Wissenschaftsdisziplinen beitragen sowie die kulturellen Reichtümer der Völker dieser Erde und dazu gehören auch die Religion mit ihren ganz eigenen Sichtweisen und Sprachen. Der Schutz der Erde ist uns allen als Aufgabe gegeben.
Für uns Christen ergibt sich diese Aufgabe aus dem Auftrag, den Gott uns Menschen mit der Schöpfung erteilt hat. Als sein Abbild hat Gott den Menschen geschaffen, dass er als sein „Stellvertreter“ auf Erden Sorge trage für das gute Gefüge der Schöpfung. Wenn im biblischen Schöpfungsbericht von Unterwerfung der Erde die Rede ist, so meint das nicht Ausbeutung sondern Bebauen, Hüten, Kultivieren, damit die ursprüngliche Harmonie bewahrt bleibt. Diese Harmonie hat der Mensch an vielen Ort dieser Welt zerstört, vor allem seit 1950, so dass unsere Generation als die Generation in die Geschichte eingehen wird, die unser gemeinsames Haus, die Erde, in einem Maße geschädigt hat wie keine Generation vor ihr. Die Erde schreit und mit ihr die Armen dieser Welt, die von der globalen ökologischen Krise am stärksten betroffen sind. Papst Franziskus zitiert in seiner Enzyklika die Bischöfe Neuseelands, die sich fragen, was das Gebot „Du sollst nicht töten“ bedeutet, wenn „zwanzig Prozent der Weltbevölkerung Ressourcen in einem Maß verbrauchen, dass sie den armen Nationen und den kommenden Generationen das rauben, was diese zum Überleben brauchen.“
Das christliche Engagement zum Schutz unserer Erde ist von daher Nächstenliebe, weil es eine Antwort ist auf den Schrei der Armen und es ist Gottesliebe, weil es Wertschätzung und Fürsorge ist für Gottes Schöpfungswerk, in dem er sich ausdrückt: „Gelobt seist du, mein Herr, mit allen Geschöpfen“, so beginnt der Schöpfungshymnus, den Franz von Assisi verfasst hat.

Handeln: Die weltweite Bewegung Global Catholic Climate Movement

Weltweit haben sich Christen in der Global Catholic Climate Movement (GCCM) zusammengefunden, um dem Aufruf des Papstes zu antworten. Die CCCM ist ein globales Netzwerk bestehend aus 900 Organisationen der katholischen Kirche, die sich für weltweiten Umwelt-und Klimaschutz einsetzen. Die Grundlage für die Arbeit von GCCM bildet Papst Franziskus‘ Enzyklika „Laudato Si“. Der Titel „Laudato Si“ (dt. Gelobt seist du) bezieht sich auf den Sonnengesang des Heiligen Franziskus aus dem 13. Jahrhundert, in welchem Franziskus Gott für die Wunder der Natur preist. Papst Franziskus‘ Enzyklika knüpft inhaltlich an dieses Gebet an und ruft gerade in Anbetracht der großen Umweltkatastrophen unserer Zeit zur Bewahrung der Schöpfung auf.

GCCM gliedert seine Ziele in drei Dimensionen:

1. Dimension Spiritualität
- Durch das Gebet für und mit der Schöpfung ein vertieftes Bewusstsein für die Schönheit und Verletzlichkeit der Schöpfung erwerben

2. Dimension Lebensstil
- Den eigenen ökologischen Fußabdruck verringern. Unter dem Ökologischen Fußabdruck wird die Fläche auf der Erde verstanden, die notwendig ist, um den Lebensstil und Lebensstandard eines Menschen unter den gegenwärtigen Bedingungen dauerhaft zu ermöglichen. Wenn alle Menschen dieser Erde so leben würden wie wir in Deutschland, bräuchte es 2,6 Erden. Damit gehört Deutschland zu den Spitzenreitern im globalen Ressourcenverbrauch.

3. Dimension Öffentlichkeit
- Im Rahmen seiner Möglichkeiten im kirchlichen und öffentlichen Raum sich für den Schutz der Erde engagieren

Handeln: eine Selbstverpflichtung eingehen

Mit einem Zitat aus der Erd-Charta, einem globales Netzwerk von Menschen, Organisationen und Institutionen, dem sich auch die christlichen Kirchen angeschlossen haben, ruft Papst Franzikus alle Menschen auf, auf den Schrei der Erde und der Armen zu antworten: „Lasst uns unsere Zeit so gestalten, dass man sich an sie erinnern wird als ein Zeit, in der eine neue Ehrfurcht vor dem Leben erwachte, als eine Zeit, in der nachhaltige Entwicklung entschlossen auf den Weg gebracht wurde, als eine Zeit, in der das Streben nach Gerechtigkeit und Frieden neuen Auftrieb bekam und als ein Zeit der freudigen Feier des Lebens.“
Mit einer Selbstverpflichtung wollen wir diesem Aufruf nachkommen. Dazu liegen ab dem Wochenende 3./4. Oktober in unseren Kirchen in Loffenau, Dobel und Bad Herrenalb Unterschriftenlisten aus. Wer sich in diesem Listen einträgt, der schließt sich einer weltweiten Bewegung an, der Global Catholic Climate Movement, die sich verpflichtet hat, mit ihren Möglichkeiten, die Inhalte der Enzyklika umzusetzen.
Die Selbstverpflichtung hat drei Elemente:

1. täglich für und mit der Schöpfung zu beten (ein Gebetsvorschlag findet sich auf der Homepage der Seelsorgeeinheit - se-badherrenalb.drs.de - und auf dem Flyer, der in den Kirchen ausliegt)

2. sich um einen einfachen Lebensstil bemühen

3. Anwalt zu sein in seinem kirchlichen und sozialen Umfeld für gemeinsames Haus, die Erde

Mit dieser Selbstverpflichtung wollen wir auch eine lokale Initiative ins Leben rufen, deren Aufgabe und Ziel es ist, die Anliegen der Enzyklika konkreter und nachhaltiger zu leben.

Kontakt: Felicitas Leichtle (felicitas24@outlook.com)
Anton Stadlmeier (015751409496; anton-stadlmeier@t-online.de)

Laudato-Si - Gottesdienst am 4. Oktober

Mit einem Gottesdienst haben wir am 4. Oktober unsere Aktivitäten im Rahmen des Laudato- Si-Jahres begonnen. In diesem Gottesdienst wurde eingeladen, zum einen dem Aufruf dem Papstes in Form der Selbstverpflichtung zu antworten und zum anderen, an einer Laudato-Si-Gruppe in unserer Seelsorgeeinheit mitzuarbeiten, in deren Ziel es ist, die Anliegen der Enzyklika mit Leben zu füllen.