Unser Weg – Rückblick auf die Gemeindeversammlung am 4.3.

Engagiert setzten sich am 4.3. ca. 40 Gemeindemitglieder mit der Zukunft unserer Seelsorgeeinheit auseinander.

Die Gemeindeversammlung begann mit einer Messfeier. Die Predigt legte die Erzählung der Berufung des Samuel (1 Sam 3,1 – 21) aus und stellte dabei das Thema Berufung in den Mittelpunkt. Taufe und Firmung sind Berufungssakramente, d. h., jeder Getaufte und Gefirmte empfängt von Gott in diesen Sakramenten seine ganz eigene Berufung, wie er mit den ihm gegebenen Begabungen und Talenten für das Reich Gottes in der Welt wirken kann. Gemeinde wäre dann der Ort, in dem diese Begabungen und Talente, in dem man einander zuhört, entdeckt und dann im Vertrauen, dass es der Ruf Gottes ist, gefördert werden.

Im Anschluss an der Gottesdienst fand im Gemeindehaus die Versammlung statt. Die Projektgruppe Gemeindeentwicklung informierte zunächst darüber, was aus den Vorgaben der letzten Gemeindeversammlung vor einem halben Jahr umgesetzt wurde. I.e. waren dies: - die Durchführung eines Glaubenskurses und von Exerzitien im Alltag;
- in der Jahresplanung wurden unterschiedliche Gottesdienstformen aufgenommen wurden (z. B. Jugendgottesdienst, gestaltet von den Firmlingen; Stadtpilgern; Gottesdienste musikalisch gestaltet mit gregorianischen Chorälen oder Gospel; Gottesdienst, thematisch gestaltet vom Besuchsdienst u.a.m.),
- die Auflösung einer einseitigen Komm-Struktur, indem wir als Kirche mit verschiedenen Angeboten am „Platz der Kirchen“ im Kurpark präsent sein werden.

Im zweiten Teil der Versammlung haben wir uns mit der Idee der Gemeindeequipen auseinandergesetzt, wie sie im Erzbistum Poitiers (Frankreich) und in der Pfarrei St. Petrus in Bonn entwickelt und umgesetzt wurde.
Die leitenden Anliegen dieses Konzeptes sind:
- Wie und wo wird Kirche heute erkennbar, welches Gesicht wird sie haben, wenn sie sich von der Wirkmächtigkeit des Evangeliums in Dienst nehmen lässt?
- Wo sieht diese Kirche ihren Ort, wie findet und versteht sie ihre Verantwortung in der heutigen Gesellschaft?
- Wer sind die Träger der Pastoral dieser Kirche? In welchem Verhältnis stehen sie mit ihren verschiedenen Charismen und Verantwortlichkeiten zueinander?
- Welche Strukturen braucht diese Kirche heute, um ihre Sendung zu verwirklichen?
Die leitende Fragestellung ist also: welche Aufgabe haben wir als Kirche vor Ort und wie können wir diese realisieren, damit wir das leben, wozu uns Gott berufen hat? Erst aus der Antwort auf diese Frage, werden dann strukturelle Fragen relevant. Das ist ein anderer Ansatz als der, den die Kirchenleitungen bislang de facto verfolgen, die vorrangig danach fragen, wie man mit dem gegebenen hauptamtlichen Personal kirchliche Strukturen aufrechterhalten kann.
Das Konzept beruht auf folgenden theologischen Grundlagen:
- Kultur des Rufens: Gott hat uns - sakramental bekräftigt in Taufe und Firmung – ins Leben geliebt und gerufen. Damit ist unser ganzes Leben Antwort auf Gottes Rufen, dass wir an seinem Reich mitbauen und mitwirken mögen mit den ganz unterschiedlichen Talenten und Begabungen, die uns Gott gegeben hat. Diese gilt es in der Gemeinde wahrzunehmen und zu (be-)rufen.
- Kultur des Vertrauens: Damit Begabungen (Charismen) eines Menschen wachsen können, muss in sie Vertrauen gesetzt werden. Für die in den Gemeinden Verantwortlichen heißt dies, der Versuchung zu widerstehen zu kontrollieren und sich einzuüben in ein Loslassen. Im Vertrauen auf die Begabungen entsteht Gemeinde. Gemeinde lässt sich nicht am „grünen Tisch“ machen.
- von der Volkskirche zur Kirche des Volkes: Die Volkskirche, eine hierarchisch geordnete Kirche, der ein Großteil einer „Volksgemeinschaft“ angehört, gibt es nicht mehr. Das zweite Vatikanische Konzil hat mit seinem Verständnis von Kirche als Volk Gottes und der Betonung des allgemeinen Priestertums aller Gläubigen den weg bereitet zu einer Kirche des Volkes. In einer Kirche des Volkes des Volkes sind alle Gläubigen berufen, „Akteure des Evangeliums“ zu sein. Die Priester über in diesem Volk ein „Dienstamt“ aus, dessen Aufgabe es es, die Gläubigen zu rufen und zu befähigen, „Akteure des Evangeliums“ zu werden und zu sein.
- Gemeinde inkarniert sich: Eine Gemeinde ist nicht für sich selber da, sondern für die Verkündigung des Evangeliums in einer Sprache und in einem Handeln, die die Menschen am Ort verstehen können. Papst Franziskus schreibt: „Ich träume von einer missionarischen Entscheidung, die fähig ist, alles zu verwandeln, damit die Gewohnheiten, die Stile, die Zeitpläne, der Sprachgebrauch und jede kirchliche Struktur ein Kanal werden, der mehr der Evangelisierung der heutigen Welt als der Selbstbehauptung dient“.
Ausgehend von diesen Anliegen und Grundlagen haben sich in Poitiers und Bonn Strukturen herausgebildet, die auch uns als Orientierung dienen können: In den einzelnen Teilgemeinden bilden sich Leitungsequipen (-teams), die aus einem Moderator und vier Beauftragten für die gemeindlichen Aufgaben bestehen. Diese sind: Begegnung und Gastfreundschaft - Solidarität und Nächstenliebe Glaubenszeugnis und GlaubensvertiefungGebet und Glauben feiern. Die Mitglieder einer Equipe können sich entweder selber für die Aufgabe vorschlagen oder werden von Gemeindemitgliedern vorgeschlagen und dann vom Kirchengemeinderat berufen für eine „Amtszeit“ von drei Jahren. Nur die Moderatoren gehören dem Kirchengemeinderat an. Manche Aufgaben (wie z. B. die Sakramentenkatechese) verbleiben auf der Ebene der Seelsorgeeinheit, aber ansonsten haben die Gemeinden die Möglichkeit und die Chance entsprechend ihrer Begabungen eigene Schwerpunkte zu bilden und damit ein eigenes Profil zu gewinnen. Der Pfarrer oder ein von ihm beauftragter hauptamtlicher Mitarbeiter hat die Aufgabe, die Equipen zu begleiten und zu unterstützen.

Auf der Gemeindeversammlung wurden keine Entscheidungen getroffen. Sie diente in erster Linie dazu, die Konzeptidee vorzustellen und Rückmeldungen dazu einzuholen. Es ist nun die weitere Aufgabe der Projektgruppe, das Konzept entsprechend der Gegebenheiten an unseren Orten weiter zu konkretisieren.